Geschichte

Das Tipi entstand für das Leben im Inneren. Das dakotische Wort Tipi heisst zum Leben im Inneren. (Tipi, Tepee, Teepee - die geniale Erfindung nomadischer Zeltbau-Architektur, bedeutet in der Sprache der Sioux-Indianer "benutzt als Wohnung - Raum, um darin zu leben, Zuhause" TI = Wohnung oder Leben PI = benutzt als... )

Das ist ein guter Name. Das Tipi ist nicht nur praktisch warm im Winter, kühl im Sommer, sicher gegen die heftigsten Regengüsse und Stürme, mobil und leicht zu bauen ist es auch, verziert oder unverziert, schön. Es enthält ein Stück Geschichte, Tradition und Weisheit.

Kegelförmige Zelte sind auf der ganzen Welt dort bekannt, wo gerade Stangen, Grasmatten oder Häute zur Verfügung standen. An einem Ort ansässige Einwohner benötigten keine mobilen Unterkünfte, für Jäger aber, die wochenlang und auch bei ungünstiger Witterung dem Wild nachzogen, waren sie unentbehrlich. Eines haben alle diese kegelförmigen Zelte gemeinsam, das zentrale Feuer im Inneren. Die Bezeichnung Tipi wird fälschlicherweise auch für Zelte aus anderen Gebieten, die von Lappen, Eskimos und anderen bewohnt werden, verwendet. Das Tipi weist aber im Unterschied zu diesen primitiven, verrauchten, symmetrischen Behausungen noch viele andere Merkmale auf, die es zur behaglichen Wohnstätte machen. Das Tipi ist ein nach hinten geneigter Kegel mit einer Rauchöffnung an der weniger steilen Seite. Diese Rauchöffnung ist an beiden Seiten mit Klappen versehen (sie werden zum Beispiel auch Flügel genannt), die den Rauchabzug und die Lüftung erheblich verbessern. Sie werden von zwei beweglichen, äusseren Stangen getragen. Oft können wir für dieses Zelt auch die falsche Bezeichnung ,,Wigwam" hören. Das ist aber ein Wort der Indianerstämme des Ostens, das sich auf die kuppelförmigen Hütten bezieht, die mit Gras und Matten bedeckt sind. Es handelt sich also nicht um das konische Lederzelt der prärie Indianer, um das Tipi.

Zum ersten Mal werden die Lederzelte auf den Grossen Ebenen im Jahr 1540 erwähnt. Damals gelangten die Spanier auf ihren Entdeckungsreisen das erste Mal in das Innere des Kontinents. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um kleinere Tipis, die auf Jagdzügen verwendet wurden.

Das erste Tipi, wie wir es kennen, taucht in Amerika um 1800 auf, obwohl es sicher schon vor der Ankunft der Weissen bekannt war. Es wird meistens mit der beginnenden Verwendung der Pferde in Verbindung gebracht. Diese erleichterten die Jagd, den Lastentransport und auch die Bewegung über grosse Entfernungen. Vorher verwendeten die Indianer bei ihrem Nomadenleben eher Zelte, denn ihr Transport konnte nur mit Hilfe von Hunden und einfachen Gleitschleppen, Schlitten, bewerkstelligt werden. Darüber hinaus handelte es sich oft um eine Saisonangelegenheit, die bei der Bisonjagd benötigt wurde. Grossen Einfluss auf die Verbreitung des Tipis hatte die Umsiedlung vieler Stämme, die ursprünglich die nördlicheren und östlicheren Gebiete Amerikas bewohnten (die Cree, Blackfoot, Dakota, Arapah und andere). Anfang des 19. Jahrhunderts hatten sich schon die meisten der sogenannten Prärieindianer in den neuen Jagdgründen angesiedelt, wo sie sich die Vorteile des Tipi, den einfachen Bau und den leichten Transport, voll zum Nutzen machten. Allgemeine Verwendung fand das Tipi aber erst am Ende des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich wurden die Zelte aus Bisonhäuten hergestellt. Nach der Ausrottung dieser Wildrinder wurde das Leder durch Leinwand ersetzt, wobei mit nur kleinen Abweichungen der gleiche Zuschnitt zur Anwendung kam. Da die Leinwand leichter war als Leder, begann man Tipis von größerem Ausmass zu nähen, sie erreichten einen Durchmesser von 6 und 7, ja sogar 9 m. Die Tipis wurden fast ausnahmslos mit dem Eingang nach Osten aufgestellt. Das war praktisch, denn so wurde die Morgensonne aufgefangen und die Rückseite den Westwinden zugekehrt, die auf den hiesigen Ebenen ähnlich wie bei uns überwogen. Der Osten ist die Richtung, aus der die Sonne, der Spender alles Lebens, kommt und er wurde deshalb von den Indianern geschätzt. Auch wir sollten diese Orientierung respektieren.

 

Wir unterscheiden entsprechend der Stangenzahl zwei Grundtypen dieser Zelte. Bei der Erweiterung der Zelttypen machten sich die Beziehungen zwischen den Stämmen verdient. Die Stämme Crow oder Blackfoot verwendeten zum Beispiel vier Stangen. Dieses Tipi hatte einen anderen Zuschnitt als das Zelt mit drei Stangen, das die meisten Stämme bauten, deren bekanntesten Vertreter die Dakotas sind. Da sein Bau und Zuschnitt einfacher und praktischer ist, wird dieses von den Dakotas verwendete, dreistangige Zelt beschrieben.

Wie wir schon gesagt haben, verwendeten die Indianer das Tipi anfangs vor allem auf ihren Jagdzügen. Ausser diesen Jagdzeiten kleineren Ausmasses, ungefähr 3.5 m, besassen sie noch weitere Arten, die sich entsprechend der Nutzung unterschieden. Hierzu gehörte zum Beispiel das Kindertipi mit einem Durchmesser bis zu 2.5 m für die eigenen Kinder, die hier "Haushalt" spielten. Manchmal bauten sie auch für ihre Lieblingshunde Zelte. Die Erwachsenen wohnten in bis zu 5 m grossen Tipis. Erst später, in der Ära der leinenen Zeltbahnen, begannen sie in geräumigeren, bis zu 7 m grossen Zelten zu wohnen. Die optimale Zeltgrösse für eine "Familie" betrug 5.5 m. Das betraf den eigentlichen Durchmesser, die Grösse der Stangen und das Gewicht des ganzen Baus. Die minimale Zeltgrösse für die Anlage einer Feuerstelle im Inneren beträgt 4 m. Das Feuer ist bei kalter Witterung unentbehrlich.

Quelle: Laubin

 

Tipis wurden vor allem von den nomadischen Ethnien der Prärien und Plains verwendet, da sich die Zelte sehr schnell auf- und abbauen ließen. In einem Tipi wohnte eine Familie, d. h. bis zu sechs oder sieben Personen.

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